Es gibt Momente im Leben, da sind wir froh, dass es die Nulltoleranz-Grenze gibt. Zum Beispiel im Strassenverkehr, wenn es das Fahren unter Alkohol oder Drogen betrifft. Im Sport, wenn es um Fairplay geht. Oder beim Rassismus, der noch immer viel zu ausgeprägt ist.

Hier macht es Sinn, dass hart durch gegriffen wird, wenn jemand gegen Gesetze verstösst oder gar die Menschenwürde verletzt.

Ich bin diese Woche vermehrt auf Intoleranz gestossen. Gegen eine Art von Intoleranz, die nichts mit den oberen Beispielen gemeinsam hat, aber uns das Leben dennoch erschwert.

Es war Mitte der Woche, als meine Freundin Tamara beim Einparkieren etwas länger brauchte, weil Umzugsmänner ihr Fahrzeug beluden. Tamara entschied sich, rückwärts in den Parkplatz zu fahren. Ein Velofahrer, der rund fünf Sekunden warten musste, beschwerte sich lauthals. Das machte mich wütend, was ich aber für mich behielt. Ich fragte mich, warum man nicht auch mal etwas toleranter sein kann! Ich stieg auf der Strasse aus, da das Parkfeld wirklich eng war. Dies wiederum gefiel dem älteren Fussgänger nicht, der sich mitten auf der Strasse über das Fahrverhalten meiner Freundin aufregte, und mich in einem forschen Ton anfuhr: “Ihr solltet besser nochmals die Fahrschule besuchen“. Ich erwiderte, dass ihm dies auch nicht schaden würde! Schliesslich befände er sich ja mitten auf der Strasse und nicht auf dem Trottoir. Etwas genervt und kopfschüttelnd lief er weiter.

Ich war genervt. Warum kann man nicht etwas toleranter sein? Und mit „man“ meine ich nicht nur den älteren Herrn, sondern auch mich.

Es geht auch anders

Einige Tage zuvor war ich in der Innerschweiz, um einen Veranstaltungsort für unsere neuen Seminare im 2018 zu besichtigen. Nach Hause fuhren wir über den Hirzel. Auf der Gegenfahrbahn war stau, auf unserer Fahrstrecke war freie Fahrt. Auf einmal näherte sich ein Polizeiauto mit Blaulicht. Ich bremste ab und fuhr etwas zur Seite, um dem Fahrzeug die Durchfahrt zu ermöglichen. Da es auf diesem Strassenabschnitt keinen Pannenstreifen gab, war viel zu wenig Platz.

Da geschah etwas Faszinierendes: Ich beobachtete im Rückspiegel, wie ein Fahrzeug um das andere zur Seite fuhr. Allesamt machten sie den Gesetzeshütern Platz, damit diese freie Fahrt hatten, um möglichst rasch an ihr Ziel zu kommen.

Es war nicht das erste Mal, wie ich beobachten konnte, dass Autofahrer Platz für ein Rettungs- oder Streifenfahrzeug machten. Jedes Mal, wenn dies passiert, macht sich ein wunderschönes Gefühl in mir breit. Es ist eine Art Zufriedenheit, ein Glücksmoment. Ähnliches hatte ich auch schon gespürt, wenn an einem Fussballländerspiel die Hymne der Nationen erklang, wenn sich alle lautlos erhoben und absolute Ruhe im Stadion herrschte.

Weisst du, wie ein solcher Glücksmoment in uns entsteht?

Es ist das Gefühl, wenn Menschen sich tolerant begegnen. Wenn Menschen auf einander zugehen. Wenn Menschen einander helfen, und sich gegenseitig respektieren. Es ist ein Gefühl von Zugehörigkeit. Ein Moment, in dem wir alle etwas Kleines miteinander teilen. Dieser Moment löst ein Gefühl von Glück und Liebe aus.

Freude verdoppelt sich, wenn man sie teilt.

Darum atme einfach einmal mehr durch, wenn vor dir an der Kasse jemand sein Kleingeld zusammenkramt. Lass einen anderen an der Schlange vordrängeln, wie du es selbst ja auch gerne einmal machen würdest. Lächle einfach, wenn dir jemand die Vorfahrt nimmt. Oder zähle leise bis zehn, wenn der vor dir mal wieder etwas länger fürs Parkieren braucht.

Übe dich in Toleranz! Es wird dir gut tun. Du kennst die Vorgeschichte deines Gegenübers nicht. Sei dir bewusst, dass auch du im nächsten Moment in einer ähnlichen Lage sein kannst.

Von Herzen,

Euer Marco

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PS: Mach dich auf den Weg und entdecke dich selbst: Wie das geht erfährst du hier.