Menschen ändern sich nicht. Oder doch? – zweiter Teil

Unser lieber Protagonist hatte sich gewandelt. Und mit ihm änderte sich sein ganzes Leben. Aus dem Mauerblümchen ist auf einmal einer geworden, auf den man hörte. Seine Stimme hatte Gewicht und ihm gefiel es, für einmal auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.

Es war aber auch eine Zeit, in der ihn viele innere Ängste begleitet hatten.

Ich möchte ihm nicht unterstellen, dass er es bewusst oder mit Absicht gemacht hatte, aber er handelte nun genau so wie jene, die ihn vor einigen Jahren noch so traurig stimmten. Er begann sich auf Kosten von anderen lustig zu machen und war oft sehr verletzend.

Damals wusste ich nicht, warum er das tat. Doch heute weiss ich: Er hatte so grosse Angst, dass er wieder verstossen und ausgeschlossen würde, dass er lieber andere ausschloss, um sich selbst zu schützen.

Er ist nicht stolz darauf, was er getan hat. Das weiss ich von ihm persönlich. Dennoch hat er es getan. Ich weiss auch, dass er sich bei vielen im Nachhinein entschuldigt hat. Bei jemandem erst kürzlich, also 20 Jahre später. Sie hat es ihm gedankt und vergeben. Verzeihung heilt viele Wunden, Vergebung noch mehr.

Sein Leben nahm Fahrt auf

Mit 16 war sein Leben von Highlights überflutet. Sportlich, beruflich, privat – ein Erfolg jagte den anderen. Jedes Mal, wenn man dachte, noch mehr gehe nicht, setzte er noch einen drauf.

Höher, schneller, weiter war das Motto. Mehr Erfolg im Sport, noch mehr Training für einen schönen Körper. Auch die materielle Befriedigung fehlte nicht: Tolle Markenkleider, teure Schuhe, wertvolle Uhren: Alles, was dazu gehörte.

Doch am liebsten schmückte er sich mit anderen Frauen.

Hier hatten viele in seinem Umfeld grosse Fragezeichen. Einmal war er in einer Beziehung, dann verliebte er sich wieder in eine andere. Nur, um gleich wieder zur alten Liebe zurückzukehren. Wer ihn nicht besser kannte, nannte ihn einen Frauenflüsterer oder Casanova. Man konnte ihm aber sein Verhalten nie wirklich übel nehmen. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass er alles immer mit Herzblut gemacht hatte und manchmal selber nicht wusste, was gerade sein nächstes Ziel sei.

In dieser Zeit verlor ich etwas den Kontakt zu ihm. Es ging alles zu schnell.

Doch er rannte nicht schnell genug, als dass ihn sein Leben nicht eingeholt hätte: Ausweisentzug, weil er zu fest aufs Gas gedrückt hatte. Wie passend! Somit war wenigstens in diesem Bereich einmal etwas Tempo draussen. Der verlorene Führerschein hinderte ihn aber nicht daran, an anderen Orten weiter voll auf Touren zu sein.

Seine grosse Leidenschaft war der Sport. Er liebte es, seinen Körper zu spüren und Tore zu erzielen. Er liebte das Gefühl, etwas bewegen zu können und zu siegen. Er war zu einem richtigen Gewinner avanciert und war es sich nicht mehr gewohnt zu verlieren.

In der Kindheit hatte er oft verloren. Zu oft wurde er ausgegrenzt und belächelt. Nun hechelte er förmlich nach Anerkennung.

Doch der Sport reichte ihm nicht.

Auf der Suche nach Bestätigung

Neben dem Sportplatz war der junge Draufgänger oft in Bars und Clubs anzutreffen. Er genoss das Bad in der Menge, immer auf der Suche nach dem nächsten „lucky shot“. Frauen berauschten ihn mehr als der Alkohol. Er sammelte Telefonnummern wie andere Briefmarken.

Er war immer auf der Suche nach der grossen Liebe. Oder aus heutiger Sich: Nach der nächsten Bestätigung. Heute bin ich mir sicher, dass er dies nicht mit Absicht machte. Er wusste es zu dieser Zeit nicht besser. Er war noch keine 25 Jahre alt – jung und unerfahren. doch dies würde sich bald ändern.

Das Leben hielt das nächste Mahnschild für ihn bereit. Das Ende einer noch so jungen Sportlerkarriere nahte. Ein Routinebesuch beim Arzt brachte eine Diagnose mit erschreckender Konsequenz: Nie mehr Sport!

Konnte er das klare Zeichen des Lebens verstehen? Mehr zu diesem Abenteuer von jenem Menschen, der mir wohl am nächsten ist, erfahrt ihr im nächsten Sonntagsblog.

Eine tolle Woche wünscht euch,

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