Es ist eine Erscheinung unserer Zeit: Menschen wollen sich nicht binden. Sie wollen nicht entscheiden. Aus Angst, etwas zu verpassen.

Doch dann kommt er, dann kommt sie in unser Leben. Getroffen von Amors Pfeil, schwelgt das frisch verliebte Paar auf Wolke 7. Zwei, die nicht voneinander lassen können. Küssen, knuddeln, knutschen. Sie verbringen jede freie Minute mit- oder aufeinander. Es wird geschwärmt, nur selten gejammert. Die Kolleginnen und Kollegen können das Gesülze schon fast nicht mehr mitansehen. Bis der Tag kommt, an dem sich alles verändert.Die rosarote Brille wird abgenommen. Der hübsche Liebhaber verwandelt sich in einen Mann, der gerne mit Kumpels ausgeht. Die sexy gekleidete Frau in eine gestandene Business Lady, die weiss, was sie will.

So weit so gut, wenn man mit dieser neuen Situation umgehen kann. Die meisten können es nicht. Dann beginnt der gravierende Fehler, den so viele machen: Sie möchten ihren Partner oder ihre Partnerin zu der Person formen, die sie gerne hätten.

Nicht bewusst, das wäre viel zu einfach. Unbewusst schleichen sich Eifersüchteleien, Ängste, Verbote und Zurechtweisungen ein. Was passiert aber mit einem wilden Hengst, den man zähmen und in sein Gatter einsperren möchte? Genau – er versucht auszubrechen. Hat er es einmal geschafft, wehe dem, der seinen Weg kreuzt! Aber auch der freilebende Vogel wird nicht in seinen Käfig zurückkehren. Vor allem dann nicht, wenn das Törchen geschlossen ist.

Ich weiss, wovon ich hier schreibe, denn auch ich wollte für meine Lebenspartnerin einen goldenen Käfig erschaffen. Solange sie das machte, was ich wollte, war alles prima. Doch wehe, sie wollte sich mit einem ihrer Ex-Freunde treffen, bis morgens tanzen oder alleine in die Ferien verreisen. Ich ging auf die Barrikaden und wollte das verhindern. Für mich selbst wollte ich natürlich all diese Dinge in Anspruch nehmen. Der Streit war vorprogrammiert, die Trennung letzten Endes auch.

Dann kam diese eine Frau in mein Leben, die sich keine Vorschriften machen liess. Die Frau, die ihr Leben so leben wollte, wie sie es verdient hatte. Meine Drohungen und kindischen Spielchen liessen sie mehr oder weniger kalt. Meine Eifersuchtsszenen überstand sie. Meinen lächerlichen Versuchen, Kontakte zu kappen oder sie dazu zu bringen, Freunde für mich zu verlassen, gab sie keine Chance.
Ich stand einfach da. Ein Herz voller Liebe für eine Frau, die wusste, was sie wollte. Ich habe mich auf den Kopf gestellt, doch nichts drehte sich, ausser mein eigener Kopf. Das brachte mich in Bewegung – ins Handeln. Ich wusste und fühlte: wenn ich nicht schnurstracks meine alten Muster kläre und meinen eigenen Weg gehe, dann würde ich diesen Menschen so schnell wieder verlieren, wie er in mein Leben gekommen war.

Das war vor fünf Jahren. Damals nannte ich das Verhalten meiner Partnerin Egoismus. Heute weiss ich: es war pure Selbstliebe.
Diese Frau ist heute die Mutter meines Sohnes, und wir leben ein freies, unabhängiges Leben, in Liebe zu uns selbst. Wir reisen, tanzen, lachen und treffen unser Ex-Partner, alleine oder zusammen.

Es war ein steiniger Weg. Vieles hat sich geändert, vor allem aber eines: Wir fühlen uns unglaublich frei und glücklich.

Von Herzen,

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