Für alle Paare da draussen

Aus – das war’s! Da starrte er nun auf die Türe, die noch immer offen war.

Eben war seine Welt noch in Ordnung, aber vom einen Moment auf den anderen hatte sich alles verändert. Nichts war mehr so, wie es einmal gewesen war. Vergessen die schönen und wunderbaren Momente zu zweit. Eine einzige Begegnung hatte das ganze Kartenhaus zum Einsturz gebracht. Was war nur passiert? Wo ist ihre Liebe hin?

Sie hatten eine offene und herzliche Beziehung. Sie tauschten sich rege aus und verbrachten viel Zeit miteinander. Ob zu Hause oder auf Reisen, stets hatten sie sich etwas zu erzählen gehabt. Sie lachten oft gemeinsam. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten sie sich gefunden. Er hätte sich niemals vorstellen können, dass je etwas zwischen ihnen stehen könnte.

Ja, mehr als das: Sie hatten sich geschätzt und geliebt. Es war eine Beziehung, wie man sie sich wünscht. Als Geschenk kam das gemeinsame Kind.

Anfangs kamen sie ins Schleudern. Nach der trauten Zweisamkeit mussten sie sich als kleine Familie wiederfinden, was ihnen aber bald gelang. Manchmal besser, manchmal schlechter, wie in jeder anderen Beziehung auch. Je mehr Monate ins Land zogen, desto unzufriedener wurde die Mutter des Kindes. Sie war stets um den Kleinen herum. Früher war sie unternehmenslustig, aufgestellt und hatte ihr Ding gemacht. Sie war sportlich, kreativ und blühte im Job richtig auf. Sie war der Traum eines jeden Mannes, doch die Geburt hatte vieles in ihr verändert.

Dies erkannte sie aber, wie auch er, erst viel später – vielleicht zu spät.

Er ging nach der Geburt wieder seinem Job nach und blieb seinen Hobbys treu. Er traf sich mit Freunden wie eh und je. Natürlich übernahm er auch Verantwortung zu Hause. War er mal etwas früher dran, brachte er den Kleinen zu Bett. Am Wochenende unternahm er gerne etwas mit seinem Sohn im Freien, sofern er die Zeit dafür fand. Ihm gefiel das neue Leben. Er dachte, auch seine Frau würde dieser neue Lebensabschnitt erfüllen. Er arbeitete viel, um den Traum vom gemeinsamen Haus zu erfüllen, was Jahre später auch gelingen sollte.

Der Glanz aber, den er in den Augen seiner Frau so liebte, war verblasst.

Egal, welches Geschenk er nach Hause brachte, egal, welchen Erfolg er verzeichnen konnte: Sie konnte sich nicht mehr freuen. Es war anders geworden. Darüber sprechen mochte er nicht. Es würde sich schon wieder ändern.

Eines Abends kam er, wie so oft, nach dem Feierabendbier mit Freunden nach Hause. Seine Frau sass weinend im Wohnzimmer. Er setzte sich sofort zu ihr und bemerkte, dass er dies schon Jahre nicht mehr so getan hatte. Er fragte sie, was los sei.

Ihre Worte wird er nie mehr vergessen. Sie gingen ihm durch Mark und Bein. „Es ist aus“, sagte sie. „Ich habe jemanden kennengelernt“. Er verstand die Welt nicht mehr und suchte nach dem Warum.

Sie habe ihn im Einkaufscenter kennengelernt. Im selben Moment griffen sie nach dem selben Apfel. Ihre Blicke trafen sich. Er liess ihr den Vortritt, sie bedankte sich charmant. Er war gross, schlank, attraktiv und etwa Anfang vierzig. Das hatte sie aber nicht davon abgehalten, ihren Blick abzuwenden und sich ihrem Einkauf zu widmen. Er war angetan von ihr, und fragte sie, ob er sie zu einem Kaffee einladen dürfe. Sie erwiderte, dass sie verheiratet sei. Er blieb hartnäckig und meinte, es sei doch nur ein Kaffee. Ein solcher Austausch könne ja wohl nicht schaden. Sie willigte ein. Was soll da schon passieren?

Aus diesem Kaffee am Morgen wurde ein wöchentliches Treffen. Sie fühlte sich einfach wohl in seiner Gegenwart. Er fand es schön, dass er ihr die Aufmerksamkeit schenken konnte, die ihr so fehlte.

Am Anfang hatte sie zu Hause nichts erzählt, weil es ihr unwichtig erschien. Später, weil sie sich schämte. Auf die wöchentlichen Treffen folgten Telefonate, heimliche WhatsApp-Nachrichten und ein romantisches Dinner zu zweit. Ihr Mann bemerkte nichts, da er erst spät nach Hause kam und der Austausch in ihrer Beziehung fehlte.

Nun sassen die beiden da. Sie traurig, er erstarrt. Es war doch alles so wunderschön gewesen. „Warum hast du nie etwas gesagt?“, fragte er. „Warum?“ Jetzt brach auch er unter Tränen zusammen. Es zerriss ihr das Herz, ihren langjährigen Lebenspartner so zu sehen, doch ihr Entscheid stand fest. Sie nahm all ihren Mut zusammen, umarmte ihren Mann noch einmal und küsste ihn auf die Stirn: „Goodbye my Love. Danke für alles.“

Weg war sie. Mit Sack und Pack, dem Kleinen im Arm. Die Türe stand weit offen. Er brachte kein Wort mehr über die Lippen. Nur noch sein Schluchzen war im Treppenhaus zu hören.

Diese Geschichte widme ich allen Menschen, die in einer Beziehung sind oder es wieder sein werden. Schätzt was ihr habt, jeden Tag! Sucht das Gespräch mit eurem Partner und nehmt nichts als selbstverständlich hin! Routine, unausgesprochene Anliegen, versteckte Gefühle und Heimlichtuerei zerstören so vieles.

Wenn du in deiner Beziehung glücklich sein willst, führt nichts an 100-prozentige Ehrlichkeit vorbei. Sage, was du empfindest, auch wenn es schmerzt. Nimm dir den Raum, den du brauchst, um dich zu entfalten. Gib dich weder für den Partner, noch für deine Kinder auf.

Bleib du selbst. Bleib dir treu. Und: bleib vor allem ehrlich.

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PS: Wie auch du SELBSTBEWUSST für dich einstehst und eine glückliche BEZIEHUNG leben kannst, erfährst du an unseren Erlebnistagen in Zürich, am 6./7. Januar 2018 und am 1./2. September 2018 – hier gehts zu weiteren Infos und der Anmeldung.