WUNDER

Es sind die Momente im Alltag, welche uns so sehr bereichern. So auch gestern, als ich seit längerem wieder einmal im Kino war und mich für den neuen Film „Wunder“ mit Julia Roberts und Owen Wilson entschied. Es waren aber nicht die bekannten Hollywood-Sternchen, welche mich vom Film überzeugten, sondern die bewegende Geschichte dahinter. Es geht darin um einen kleinen Jungen, welcher mit einem entstellten Gesicht zur Welt kommt und nach Jahren sein schützendes Umfeld der Familie verlassen soll, um die Schule zu besuchen. Dass diese Konfrontation mit der realen Welt nicht nur schöne Momente mit sich bringen würde, dies war mir wie jedem anderen Kinobesucher klar. Und doch war es speziell für mich. Einerseits berührend und anderseits erschreckend. Berührend, da es einem nahe geht, wenn man sieht wie gemein die Menschen und vor allem auch Kinder sein können. Erschreckend, weil ich mich auch selbst im Film wieder erkennen konnte.

Es ist nun über 20 Jahre her, als ich die Schule besuchte und doch erinnere ich mich an gewisse Momente noch ganz genau. Einer von diesen Momenten war in der 3. Sekundarschule. Dies war eine Zeit, wo ich mich schon unheimlich erwachsen und reif fühlte. Vor allem als heranwachsender Mann hatte ich aber das Gefühl, mich immer wieder beweisen zu müssen. Ich wollte gesehen werden, vor allem von den Mädchen. Ich wollte beliebt und geliebt sein. Und für das war ich bereit über manche Grenzen hinaus zu gehen. Es war dieser eine Schultag, auf den ich heute so gar nicht mehr stolz darauf bin.

Es war gegen Ende der regulären Schulzeit, als wir uns eines Morgens im Klassenzimmer eine fantasievolle Geschichte ausdenken sollten. Ich muss hier erwähnen, dass ich nach einer harten Primarschulzeit, meinen Platz als beliebter Mitschüler endlich in einer Klasse gefunden hatte. Meiner Stimme wurde Gehör geschenkt und ich war ein beliebter Klassenkamerad. Ich hätte es überhaupt nicht nötig gehabt mich noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen und doch wollte ich mich weiterhin als Klassenoberhaupt beweisen.

An diesem einen Morgen erzählte ich eine Geschichte, welche an Niveau nicht unterboten werden konnte. Die Geschichte erzählte von einem dicken Mädchen, welches durch sein Fressverhalten ausgestossen wurde. Ein Mädchen welches rot anlief, wenn man sich über sie lustig machte. Ein Mädchen, dass frass und frass und sich dabei kaum noch bewegen konnte. Ein Mädchen, welches so hungrig war, dass sie sogar ein Loch in den Schreibtisch ass. Ein Mädchen, dessen Name ich nie erwähnte und doch jeder in der Klasse wusste, wer ich meinte. Es war das Mädchen, welches in unserem Zimmer sass, rot anlief, als ich die Geschichte vorlas und den Raum mit dem erlösenden Pausenton weinend verliess. Das Mädchen kam danach mehrere Tage nicht zur Schule. Sie war krankgeschrieben. Das schlimme daran war, dass mich dies nicht ein kleines Bisschen interessierte. Ich war gefühlskalt geworden.

Was bewegt ein Kind so gemein zu sein

Als ich gestern im Kino sass und die einzelnen Szenen sah, war mir klar, dass dies auch heute noch die Realität ist. Doch wie ist so was nur möglich? Sind es die Eltern, welche den Kindern keine Manieren beibringen? Wohl kaum, denn an dem hatte es bei mir nicht gefehlt. Es gibt einen Grund warum Kinder und Erwachsene ein respektloses Verhalten an den Tag legen: mangelndes Selbstbewusstsein. Also ein Mangel an Selbstwert, Selbstliebe und Selbstvertrauen. Wir haben uns von der Liebe zu uns selbst und den Mitmenschen distanziert.

Mangelnde Selbstliebe führt zu Neid, Eifersucht und Hass

Egal, wo du heute gemeinen und lieblosen Menschen begegnest, der Hintergrund ist immer der Selbe. Es fehlt Ihnen an Liebe zu sich selbst. Wenn wir durch Erlebnisse in der Vergangenheit mit unseren Eltern, Lehrern, Freunden, Liebespartnern oder anderen Personen Schmerz erlitten, haben wir uns jedes Mal einen kleinen Schritt mehr von uns und der Wahrheit entfernt. Wir haben durch all den Schmerz vergessen wer wir wirklich sind und handeln noch heute nach diesen tiefsitzenden Wunden und Mustern in uns.

Jeder von uns hat diese Verletzungen in irgendeiner Form erlebt. Sexuelle Übergriffe, Neid, Eifersucht, Lügen, ausgeschlossen werden, Mobbing, gehänselt sein und vieles mehr. Die Meisten haben diese Erlebnisse in sich verdrängt und gemeint sie haben sie zur Seite gelegt. Doch sie sind noch vollumfänglich da und hindern uns daran unser wahres Ich zu leben. Ein Ich, welches vor Selbstbewusstsein strotz. Ein Ich, welches sich selbst und andere bedingungslos liebt. Ein Ich, welches ein glückliches Leben verdient hat.

Beim Abspann des Filmes gestern überkam mich einmal mehr das Gefühl meines innerlichsten Wunsches: eine friedvolle Welt in der wir alle glücklich, zufrieden und verständnisvoll miteinander leben dürfen. Eine Welt in der wir uns offen und ehrlich begegnen und einander verzeihen. Eine Welt in der es keine Gemeinheiten gibt. Eine Welt in der es sich lohnt sich selbst zu sein.

Jeden Tag strebe ich dieses Ziel von neuem an und fordere dich auf, auch dazu beizutragen. Hör auf bei anderen die Fehler zu suchen, sondern starte in dem du in dir aufräumst. Den hinter der ganzen Nebeldecke, hinter der ganzen Wut und dem Hass verbirgt sich deine wahre Essenz: Liebe.

Ich wünsche mir für dich, dass du diese Liebe von all dem Ballast befreist und wieder mehr danach lebst. Es wird dich befreien und dann geschehen WUNDER.

Von Herzen

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PS Hier geht es zum Trailer zum Film. Wirklich ein Kinobesuch wert: https://www.youtube.com/watch?v=CTUSWiG8Hfk