Wie finde ich mich selbst?

Ganz einfach: in dem du beginnst nach dir zu suchen und auch bereit bist hinzuschauen, wen du findest.

Letzten Donnerstag war ich ganz spontan in meiner Heimatstadt Rapperswil-Jona auf der Fasnacht rein geplatzt. Mein kurzer Besuch hat mir Einblick in die guten alten Zeiten verschafft.

Gesichter aus der Schulzeit und alte Freunde habe ich angetroffen. Wir haben in der Vergangenheit geschwelgt, über alte Erlebnisse gesprochen und viel, viel gelacht. Einiges hatte ich erlebt, so viel hat mir diese Zeit gegeben.

Eine Freundin bat mich dann zur Seite und flüsterte mir zu, dass sie es enorm stark findet, was ich tue. Sie verfolge mich auf Facebook und sei wirklich fasziniert wie ich meinen Lebensweg gehe. Doch sie frage sich auch, ob das nicht auch anstrengend sei, so korrekt zu leben. Immer in dieser liebvollen Energie und so seriös durchs Leben zu gehen. Ich musste schmunzeln ab ihrem Bild von mir, aber war mir auch bewusst, dass ich durch meine Blogs und Bilder oft auch genau dieses Bild vermittle. Doch auch ich habe eine andere Seite.

Letzthin war ich im Sprüngli am Paradeplatz und wollte mir eines meiner geliebten Nideltörtchen gönnen. Ich liebe dieses süsse Zuckergebäck, auch wenn es anscheinend dick machen soll. Mir egal, denn es gehört dazu das Leben zu geniessen. Solche Dinge lass ich mir nicht nehmen. Doch da war leider ein Herr, Mitte Vierzig, der mein Genusserlebnis etwas trübte.

Als ich voller Vorfreude an der Theke auf die Bestellung wartete, bugsierte mich der Herr mit einem Schupfer zur Seite. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, aber als er mich erneut wegschupste war ich erst mal paff. Ich bemerkte nun, dass ich vor dem Kartenzahlungsterminal stand und er anscheinend mit Karte bezahlen wollte. Innerlich war ich etwas aufgewühlt, ab dieser forschen Art und meine Bemerkung dazu war, ob dies auch etwas freundlicher ginge. Seine Antwort dazu: “halt die Fresse“. In diesem Moment spürte ich wie diese Aussage mein Blut nun definitiv in Wallung brachte.

Es fiel mir in diesem Moment nicht einfach, aber ich ging dem Konflikt aus dem Weg und wechselte die Thekenseite. Vor nicht langer Zeit wäre ich schon beim Schubser ausgetickt, doch die Jahre der Selbstfindung haben anscheinend ihre Wirkung nicht verfehlt, dachte ich zumindest.

Mein Blick blieb weiter bei dem Herren, da ich mich durch ihn wirklich angegriffen fühlte. Er blickte dann auf und beleidigte mich erneut mit den Worten: „was schaust du mich so an, du bist sicherlich schwul so bescheuert wie du kuckst“. Innerlich war ich kurz davor einen Konter zu lancieren, als seine Frau und ihre gemeinsame Tochter dazustiessen. Er lästerte weiter über mich und ich gebe zu, nun kochte ich innerlich. Mein Gedankengang: „was bist du für ein A….loch. Ganz ehrlich, am liebsten hätte ich ihm eine rein gehauen, doch natürlich hielt ich mich zurück. Gewalt ist keine Lösung, zudem wäre es definitiv eine übertriebene Reaktion gewesen. Doch ich konnte mir eine Bemerkung nicht verwehren. Als die Frau und das Kind bereits in Richtung Ausgang steuerten, schaute ich ihn an und sagte zu ihm: „Ihre Tochter tut mir leid“. Diese Worte hatten so richtig den Nagel auf den Kopf getroffen, denn nun war er nicht mehr zu halten. „Komm raus du Arschloch, da polier ich dir die Fresse“. Ich schaute ihn an und ja, am liebsten wäre ich wie ein kleiner Junge raus gestochen und hätte diese Herausforderung angenommen, doch irgendwie war es das wirklich nicht wert. So zahlte ich mein Törtchen, wendete mich ab und verliess das Geschäft auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung Paradeplatz.

Ich war wirklich aufgewühlt. Aufgewühlt durch einen Menschen, der anscheinend total unzufrieden war mit seinem Leben oder zumindest in diesem Augenblick. Innerlich konnte ich mich die kommenden 20 Minuten nur langsam beruhigen. Ich nahm die Situation nochmals auseinander und fragte mich, was dies alles gebracht hatte? Warum ich die Bemerkung zum Schluss gemacht hatte und warum ich dies nicht einfach an mir vorbei ziehen lassen konnte.

Auch ich gehe mal bei rot über die Strasse

Fakt ist: ich bin ein Mensch. Ich habe Emotionen, welche mir auch zeigen das ich lebendig bin. Ansonsten wäre ich ein Roboter und würde nach Programm funktionieren. Das will ich aber nicht. Ich liebe es das Leben zu spüren.

Und doch spiegelte mir dieser Herr eine Seite in mir die noch schlummert. Im ersten Moment wollte ich das natürlich nicht erkennen. Doch er zeigte mir, dass es noch etwas in mir zu klären gibt. Und dies werde ich auch finden und auflösen. Denn in dir drinnen sind die Antworten auf solche Fragen wie zum Beispiel: wie finde ich mich selbst?

Von Herzen

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